Segnen ohne Absicht.

Shownotes

In dieser Solofolge spricht die Gastgeberin über eine einfache, aber kraftvolle Praxis: das Segnen ohne Absicht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, wie sehr sich das, was wir aussprechen, von dem unterscheidet, was wir nur denken, und wie tief gesprochene Worte wirken können. Daraus entwickelt sich die zentrale Frage der Folge, welches Menschenbild wir eigentlich haben und wie oft wir andere nur als Mittel zum Zweck betrachten, anstatt ihnen mit echter Verbundenheit zu begegnen.

Anhand persönlicher Erfahrungen, etwa eigener Gentests und der ihres Pflegesohns, zeigt sie, wie brüchig Vorstellungen von Nationalität und Zugehörigkeit sind und wie sehr wir eigentlich alle miteinander verwoben sind. Das Segnen wird dabei nicht als Wunsch an ein konkretes Gegenüber verstanden, mit dem etwas erreicht werden soll, sondern als innere Haltung ohne Erwartung und ohne Ziel, auch gegenüber Menschen, die verletzt haben oder einem nicht wohlgesonnen sind.

Als Beispiel für kollektive Kraft dient die Geschichte um den Brand von Notre Dame, bei dem die Pariser Bevölkerung singend auf der Straße stand, anstatt in Panik zu verfallen. Die Folge endet mit einer persönlichen Einladung, diese Praxis selbst auszuprobieren, auch im politischen Kontext, und zu beobachten, was sich dadurch im eigenen Erleben und im Miteinander verändert.

Transkript anzeigen

00:01:03: Hallo und herzlich willkommen zurück zu einer neuen Folge.

00:01:08: Bei mir ist ein neuer Tag angebrochen und ich schaue dem Windspiel,

00:01:13: der Palme und den Gräsern zu,

00:01:17: tauche tief ein und merke, dass ich so einiges verändert, einfach weil

00:01:23: ich es hier ausspreche.

00:01:26: Und ich glaube, das ist ein

00:01:29: Nebengedanke von der heutigen Folge.

00:01:32: Das, was wir denken, ist was anderes als das, was wir aussprechen,

00:01:36: sprechen.

00:01:37: Es rutscht tiefer rein.

00:01:40: Und vielleicht ist das genau der Grund, warum ich diesen Podcast mache.

00:01:43: Ich hab

00:01:46: in der Fünftklasse, hat mein Mathelehrer mir durch jede Heftseite ein dickes

00:01:51: rotes Fragezeichen gemacht.

00:01:53: Was soll das?

00:01:53: Was tust du hier?

00:01:55: Und hinterher hatte ich Mathe LK und habe anderen

00:01:59: Mathe erklärt.

00:02:00: Ich habe immer gemerkt, wenn ich anderen etwas erkläre, dann rutscht es

00:02:04: selber bei mir tiefer.

00:02:06: Also ist vielleicht dieser Podcast auch ein Stück Eigennutz.

00:02:10: Worum soll es heute gehen?

00:02:12: Heute soll es darum gehen,

00:02:15: mögest du wohl sein?

00:02:18: Also es gibt so ein irischen Segen, den kriege ich jetzt auch

00:02:22: nicht zusammen, habe ich mir jetzt auch nicht rausgeschrieben vorher, sondern es

00:02:28: ist dieses Menschenbild, dieses

00:02:33: wie gehen wir miteinander um und wie sehe ich den anderen?

00:02:36: Und ich könnte es auch segnen ohne Absicht nennen.

00:02:42: Mir fällt immer wieder auf, wir sind so aggro Menschen gegenüber

00:02:48: zu sagen, ja, wenn der und der jetzt das und das macht,

00:02:51: dann wäre alles anders.

00:02:53: Wenn mir meine Schwester, mein Bruder, mein Vater, meine Mutter, meine Kinder,

00:02:56: der Kollege, dann

00:02:59: ne,

00:03:01: irgendwie nicht.

00:03:02: Und dieses Menschenbild ist immer ein um zu.

00:03:07: Andere sind dazu da, um

00:03:11: mir etwas zu geben, mich zu befrieden, wie auch immer.

00:03:14: Und ich glaube, wenn wir

00:03:17: das verstehen, dass wir ja alle irgendwie eins sind, also

00:03:23: und jeder seinen Entwicklungsraum hat, den er sich gewählt hat,

00:03:30: dann wird vieles einfacher.

00:03:33: Und hier geht es nicht um Gleichgültigkeit zu Ach komm, mach du

00:03:38: deinen Scheiß, ich mach mein, sondern um

00:03:41: eine liebevolle Haltung meinen Mitmenschen gegenüber.

00:03:46: Und das ist für mich was völlig anderes.

00:03:51: Ich kann

00:03:53: Menschen

00:03:55: in meinem Umfeld segnen

00:03:58: ohne Ziel.

00:03:59: Das heißt, früher gab es diesen Adressaten

00:04:04: und vielleicht auch diese Vorstellung, Gott möge irgendwas tun, Gott macht das

00:04:08: so und so.

00:04:09: Und

00:04:12: aber wenn ich da genau drüber nachdenke, war es das früher schon

00:04:15: für mich nicht, sondern einfach gute Dinge über den anderen aussprechen.

00:04:22: Wir sind alles Menschen, wir sind alle irgendwie eins.

00:04:26: Es gibt so eine, gab mal so ein Fernsehspot, da wurden

00:04:32: Menschen befragt, in Anführungszeichen, wen sie nicht leiden können.

00:04:36: Und dann ging es viel um Nationalitäten.

00:04:37: Boah die Türken, boah die keine Ahnung was, ne?

00:04:41: Und das geht gar nicht.

00:04:42: Und was ein Glück bin ich in ihre und was ein Glück

00:04:45: bin ich ein Däne, was auch immer.

00:04:47: Und dann haben die Gentests gemacht und haben mal die Herkunft erörtert.

00:04:52: Wo

00:04:53: kommen denn die Menschen her?

00:04:55: Da haben die richtig dicke Augen gemacht.

00:04:58: Ich habe selber mal

00:05:01: Gentest gemacht, weil ich habe ja ein Pflegesohn und wollte ihm so

00:05:04: ein bisschen das Geschenk machen.

00:05:05: Wo ist denn seine Herkunft her?

00:05:07: Und habe dann das für mein

00:05:11: anderen Sohn und für mich direkt mitgemacht.

00:05:14: Und es war so interessant, Weil aus jedem Dorfen Hund.

00:05:22: Ich glaube mein leiblicher Sohn ist zumindest zu 24 Prozent sehr nordisch

00:05:28: und der Rest ist auch wild gemixt.

00:05:30: Und

00:05:32: mein Pflegesohn, da ist ein Afrika Anteil drin, klar, den sieht man

00:05:36: auch in der Hautfarbe, aber da ist auch ein osteuropäischer Anteil drin.

00:05:41: Das heißt, diese Idee, wir sind Deutsche oder der ist besser oder

00:05:46: der schlechter, die ist für mich,

00:05:50: also welches Menschenbild hast du?

00:05:53: Und ich merke,

00:05:55: es gibt natürlich Menschen, die habe ich nicht so gerne in meinem

00:05:59: Umfeld,

00:06:00: die tun mir offensichtlich nicht gut und dann kann ich mich von

00:06:05: denen distanzieren, fernhalten und sie gleichzeitig segnen und

00:06:13: über sie aussprechen.

00:06:14: Möge es dir einfach gut gehen in deinem Erleben, das was das

00:06:19: für dich heißt,

00:06:23: dieses

00:06:27: was passiert dann in dir, wenn du das mal versuchst

00:06:33: einfach Gutes über

00:06:36: die auszusprechen?

00:06:38: Man kann anfangen mit denen, die einem am Herzen liegen.

00:06:41: Ich habe das damals mit meinen Eltern gemacht und ich habe das

00:06:46: gemacht zum Beispiel

00:06:48: immer noch mit meinen Mitarbeitern, also die, die noch da sind,

00:06:52: mit meinen Söhnen.

00:06:55: Einfach

00:06:57: Gutes über sie aussprechen,

00:07:00: ohne Erwartung, ohne Absicht, ohne dass dann irgendwas passiert, sondern einfach nur

00:07:07: segnen.

00:07:08: Auch da gibt es eine Bibelstelle.

00:07:11: Warte ich aber sage euch oder so ähnlich, liebet eure Feinde,

00:07:19: segnet die, die euch fluchen.

00:07:22: Tut wohl denen, die euch hassen.

00:07:25: Bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen.

00:07:31: Was ein Knaller, oder?

00:07:34: Also das Gute aussprechen

00:07:37: für die Menschen, die du gerne hast, damit sie noch besser geht,

00:07:43: das ist relativ easy.

00:07:47: Aber die zu segnen.

00:07:48: Und wenn ich jetzt selber rein spüre, da gab es ein paar

00:07:51: Menschen, die mich letzten zwei Jahren wirklich tief verletzt haben,

00:07:58: die zu segnen.

00:08:04: Mach bei mir etwas Frey, löst etwas und vielleicht ist das denn

00:08:10: Nachfolgeschritt.

00:08:12: Nach dem Vergeben darfst du gerne die andere Folge noch mal zuhören,

00:08:16: weil vergeben heißt loslassen

00:08:18: und

00:08:20: meinen eigenen Groll loslassen.

00:08:21: Und das ist jetzt der Step oben drauf.

00:08:25: Und was

00:08:26: wäre denn, wenn wir mit dieser liebevollen Aufmerksamkeit.

00:08:34: System und Menschen begegnen?

00:08:39: Und vielleicht, vielleicht

00:08:42: ist das auch der Weg für gesellschaftliche Veränderungen,

00:08:49: wenn wir

00:08:50: sozusagen im Kollektiv segnen.

00:08:55: Segnen kann ja so unterschiedlich sein.

00:08:57: Also ich erinnere mich immer an gerne an dem Brand des Notre

00:09:02: Dame,

00:09:03: da

00:09:05: der fing an zu brennen und in den Nachrichten war so die

00:09:08: Stimmung nach dem Motto da bleibt kein Stein mehr über dem anderen.

00:09:11: Das wird bis auf den letzten Krümel wird der Weg sein.

00:09:16: Und dann haben die Pariser was gemacht.

00:09:18: Die sind auf die Straße gegangen und haben gesungen für ihren Wahrzeichen,

00:09:24: für Notre Dame.

00:09:26: Letztendlich haben die gesegnet.

00:09:30: Ich habe jetzt keine Ahnung, ob die die Absicht hatten zu sagen,

00:09:34: wenn wir hier singen, brennt er nicht ganz ab.

00:09:37: Ich glaube nicht, sondern die wollten einfach

00:09:40: sich verbinden

00:09:42: und zusammenstehen und da sein.

00:09:48: Und der Notre Dame ist nicht bis auf die grünen Festen abgebrannt,

00:09:53: Er ist so ab.

00:09:54: Also der Dachstuhl ist abgebrannt und alles konnte

00:09:59: restauriert werden.

00:10:00: Bilder, Gemälde, Statuen und die haben nur 5 Jahre dafür gebraucht.

00:10:06: Das echt crazy.

00:10:09: Das heißt, welche Kraft steckt im Segnen ohne Absicht?

00:10:17: Und ich glaube, diese Folge wird einfach ganz kurz und knackig mit

00:10:23: genau der liebevollen Aufforderung Versuch es mal,

00:10:32: Versuch es mal dein Gegenüber zu segnen,

00:10:36: deine Liebsten aber auch,

00:10:41: die dir nicht wohlgesonnen sind

00:10:44: und zwar ohne Absicht.

00:10:49: Ich merke, das macht auch was bei mir.

00:10:51: Also jetzt zum Beispiel Gutes auszusprechen über uns.

00:10:55: Ich mache es mal kurz politisch über unseren Bundeskanzler,

00:11:01: der

00:11:02: sich gerade nicht wirklich fein benimmt in der ganzen Diskussion um Reformen

00:11:09: im Zusammenhang mit Dr.

00:11:11: Bea

00:11:14: einfach zu segnen.

00:11:16: Nicht mitleidig, nicht wütend,

00:11:20: sondern zu Ey, am Ende kommen wir alle aus dem gleichen Ursprung,

00:11:24: gehen

00:11:25: dem gleichen Ursprung zurück und er hat sich eine andere Erfahrungswelt ausgesucht

00:11:31: als dir,

00:11:32: als du dir.

00:11:38: Ja, ich lade dich ein zum Segnen ohne Absicht und guck, was

00:11:42: passiert in dir und in deinem Umfeld.

00:11:45: Und ich bin wirklich gespannt,

00:11:49: was passiert

00:11:51: Es geht nicht um Auftrag,

00:11:54: es geht um eine Ausrichtung ohne Bestellung.

00:11:56: So will ich das mal nennen.

00:11:58: Schreib mir gerne, ich bin so gespannt, was sich bei dir tut.

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